GI und GMDS intensivieren die Kooperation durch den Aufbau des gemeinsamen Fachbereiches „Informatik in den Lebenswissenschaften“
Die Informatik ist ganz wesentlich durch die breite Anwendung in den unterschiedlichsten Disziplinen gefordert. Hier spielen die interdisziplinären Aktivitäten gerade im Bereich der Lebenswissenschaften eine tragende Rolle. [» mehr...]
GI und GMDS intensivieren die Kooperation durch den Aufbau des gemeinsamen Fachbereiches „Informatik in den Lebenswissenschaften“
Die Informatik ist ganz wesentlich durch die breite Anwendung in den unterschiedlichsten Disziplinen gefordert. Hier spielen die interdisziplinären Aktivitäten gerade im Bereich der Lebenswissenschaften eine tragende Rolle.
Am Beispiel der Genomanalyse wird dies besonders sichtbar. Heute können mit den Methoden der Hochdurchsatz-Sequenzierung kleine Genome (z.B. Viren und Bakterien) in wenigen Stunden sequenziert werden. Neben der Datenhaltung ist die automatische Annotation dieser Sequenzen ein zu lösendes Problem. Die gezielte Analyse dieser Daten bis hin zur patientenorientierten Diagnose von metabolischen Erkrankungen ist nur auf der Grundlage geeigneter Methoden und Konzepte realisierbar. Dieses Beispiel zeigt auch, das insbesondere der medizinische Bereich der Anwendung von höchstem Interesse ist. Hier hat sich in den vergangenen Jahren die Molekulare Medizin als neue Disziplin der Medizin etabliert. Die Gesellschaft für Informatik (GI) hatte diesen interdisziplinären Bestrebungen bereits in der Vergangenheit die notwendige Beachtung zuteil kommen lassen, indem verschiedene Fachausschüsse und Fachgruppen sich den unterschiedlichen Anwendungen widmeten. So wurde gerade für den Bereich der Biowissenschaften zu Beginn der 90er Jahre die FG Informatik in den Biowissenschaften gegründet. Die Vertiefung der medizinischen Aspekte erfolgte über die Kooperation mit der GMDS (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V.), in der Felder wie Bild- und Biosignalverarbeitung, Informationssysteme für Forschung und Krankenversorgung, aber auch biostatistische Fragen der Bioinformatik und genetische Epidemiologie bearbeitet werden. Aktivitäten im Umweltbereich wurden durch den Fachausschuss Umweltinformatik in den vergangenen Jahren systematisch ausgebaut. Die enorme Entwicklung von Molekularer Medizin und translationaler Forschung sowie die damit verbundenen Anforderungen an die Bioinformatik, Medizinische Informatik, Biostatistik und Epidemiologie hat in den vergangenen Monaten wesentlich dazu beigetragen, eine engere Kooperation zwischen der GI und der GMDS zu initiieren. Für die (Bio-) Medizinische Informatik liegt eine zentrale Herausforderung darin, phänotypische medizinische Daten mit genomischer und epigenetischer Information zu kombinieren. Aus diesen Aktivitäten heraus wurde im vergangenen Jahr der neue Fachbereich Informatik in den Lebenswissenschaften gegründet. Die Lebenswissenschaften haben eine zentrale Rolle im Bereich der Forschung und Entwicklung übernommen. Dabei ist schon heute erkennbar, dass die neuen Erkenntnisse in diesem Wissenschaftsbereich, die Fortschritte in den dazugehörigen Technologien und ihre breite Anwendung in der Gesundheits-, Umwelt- und Ernährungsforschung weitreichende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Hier steht derzeit neben der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung, die Beherrschung von Umweltgefahren im Zentrum.
Das Ziel des neuen Fachbereiches ist der systematische Ausbau der bereits bestehenden Kooperationen zwischen der Umweltinformatik, Bioinformatik und den in der GMDS vertretenen Fächern, insbesondere der Medizinischen Informatik. [» mehr...]
Das Ziel des neuen Fachbereiches ist der systematische Ausbau der bereits bestehenden Kooperationen zwischen der Umweltinformatik, Bioinformatik und den in der GMDS vertretenen Fächern, insbesondere der Medizinischen Informatik. Dazu wurde im April 2008 eine Strategiesitzung durchgeführt. Neben den Vertretern der entsprechenden Untergliederungen des Fachbereiches wurden gezielt Fachexperten eingeladen (siehe Foto mit Teilnehmerliste). Die Strategiesitzung führte zu den folgenden Schwerpunktthemen, die für die weitere Entwicklung des FBs und insbesondere für die enge Kooperation mit der GMDS von tragender Bedeutung sind: Translation, Bildverarbeitung und Signalverarbeitung, Health Informatics, Biometrie und Biostatistik, Biobanken, Epidemiologie, semantische Informationssysteme und Validierung der molekularen Daten. Neben der Identifizierung der gemeinsamen inhaltlichen Schwerpunktthemen wurden weitere Punkte diskutiert:
Zielsetzung: Der FB soll schwerpunktmäßig im Bereich der Lebenswissenschaften Methoden und Konzepte der Informationsverarbeitung zum Einsatz bringen und damit die Bereiche Gesundheit, Ernährung und Ökologie in ihrer Weiterentwicklung gezielt unterstützen. Dabei liegt derzeit auf der Grundlage der engen Kooperation mit der GMDS der Schwerpunkt im Gesundheitswesen. Über die Umweltinformatik ist die Kooperation und Anbindung der Ökologie zu verschärfen.
Strukturen: Das Ziel des neuen FBs ist es durch Kooperation mit den bereits existierenden Fachgesellschaften und Gruppierungen die gesteckten Ziele zu erreichen. Hier wird neben der engen Zusammenarbeit mit der GMDS insbesondere die Kooperation mit der DECHEMA (Gesellschaft für chemische Technik und Biotechnologie) sowie der GBM (Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie) forciert.
Aktivitäten: Es soll keine neue Jahrestagung geschaffen werden. Vielmehr sollen die laufenden Jahrestagungen sowie Workshops der eingebundenen Gruppierungen genutzt werden, um engere Kooperationen zu initiieren. Die Notwendigkeit einer gemeinsamen Zeitschrift soll diskutiert werden. Dazu ist ein AK einzurichten, der dann auf der nächsten Sitzung über Möglichkeiten und Perspektiven einer solchen Zeitschrift berichten soll.
Internationale Einbindung: Sobald der Aufbau des FBs abgeschlossen ist, sollen die internationalen Strukturen im Bereich Life Science sowie die Möglichkeiten der Einbindung des neuen FBs diskutiert werden.
Vernetzen: Gerade für den neuen FB ILW ist eine Vernetzung zu anderen existierenden FBs von hoher Bedeutung, weil Themen wie Datawarehouse, etc. die Unterstützung und Kooperation der Kerninformatik erforderlich machen. Diese Vernetzung soll primär über direkte DoppelÂmitgliedschaften der eigenen FGs erreicht werden, sowie die direkte Kontaktaufnahme zu relevanten FGs aus anderen FBs der GI.
Für 2009 werden im Rahmen der GMDS Jahrestagungen (07.09.09 - 10.09.09) in Essen und (28.09.09 - 02.10.09) in Lübeck zwei gemeinsame Sessions (evtl. ein Panel) ausgerichtet. Diese Sessions sollen sich thematisch auf die hier erarbeiteten gemeinsamen Themen beziehen und schwerpunktmäßig eine Brücke zwischen Bioinformatik und Medizinischer Informatik schlagen. Das Angebot an die Arbeits- und Projektgruppen der GMDS, zukünftig als gemeinsame GMDS/GI Gruppen zu arbeiten, wurde durch Prof. Kuhn (Präsident der GMDS) und Prof. Hofestaedt (GI) bekräftigt. Die Jahrestagung der GMDS in Stuttgart wird den Arbeitsgruppen für ihre Arbeit einen Rahmen bieten. Die Aktivitäten im Rahmen der GMDS-Tagung sollen dazu dienen, die Kooperation zwischen GMDS und GI vorzustellen und zu festigen, die Gruppierungen des neuen FBs enger zu verbinden und den neuen FB der Öffentlichkeit zu präsentieren. Über die jeweiligen Präsidien wird auch die Möglichkeit diskutiert, sich zukünftig in die geplanten GMDS/GI Jahrestagungen gezielt einzubringen.